Ein Abkochgebot, bzw. eine Abkochanordnung kommt meistens überraschend. Plötzlich soll das Wasser aus dem Hahn nicht mehr einfach getrunken werden – aber was ist mit Zähneputzen, Duschen, Kochen oder dem Geschirrspüler?
Muss wirklich jedes bisschen Leitungswasser abgekocht werden? Darf der Hund noch daraus trinken? Und kann man Obst weiterhin unter dem Wasserhahn waschen?
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Die gute Nachricht: Bei einem klassischen Abkochgebot wegen einer mikrobiologischen Belastung kann Leitungswasser für viele Zwecke weiterhin verwendet werden. Entscheidend ist, ob das Wasser anschließend in den Mund gelangt, mit Lebensmitteln in Kontakt kommt oder möglicherweise Krankheitserreger aufgenommen werden können.
In diesem Ratgeber erfährst du, was während einer Abkochanordnung noch erlaubt ist und wo du besser abgekochtes Wasser oder Flaschenwasser verwendest.
- Was bedeutet eine Abkochanordnung eigentlich?
- Darf man während einer Abkochanordnung duschen?
- Darf der Geschirrspüler laufen?
- Darf man Nudel, Reis und Kartoffeln kochen?
- So bereitest du abgekochtes Wasser vor
- Checkliste Abkochanordnung
Wichtig: Maßgeblich sind immer die konkreten Anweisungen des zuständigen Gesundheitsamtes oder Wasserversorgers. Ein Abkochgebot ist nicht dasselbe wie ein vollständiges Nutzungsverbot des Leitungswassers.
Das Wichtigste auf einen Blick
Für ein übliches Abkochgebot wegen bakterieller oder anderer mikrobiologischer Verunreinigungen kannst du dich grob an folgender Übersicht orientieren:
| Verwendung | Leitungswasser direkt? | Empfehlung |
|---|---|---|
| Trinken | ❌ Nein | vorher abkochen |
| Zähneputzen | ❌ Nein | abgekochtes oder abgefülltes Wasser |
| Kaffee und Tee | ⚠️ Nur bei ausreichender Erhitzung | im Zweifel abgekochtes Wasser |
| Kochen | ⚠️ Ja, wenn ausreichend erhitzt | für kalte Speisen vorher abkochen |
| Obst und Gemüse waschen | ❌ Nein | abgekochtes oder abgefülltes Wasser |
| Eiswürfel | ❌ Nein | nur aus sicherem Wasser |
| Duschen | ✅ Meist ja | Wasser nicht schlucken |
| Baden | ✅ Meist ja | Vorsicht bei kleinen Kindern |
| Händewaschen | ✅ Ja | gründlich mit Seife |
| Geschirrspüler | ✅ Meist ja | Programm mit mindestens etwa 60 °C bzw. Hitzetrocknung |
| Geschirr von Hand | ❌ Besser nicht | abgekochtes Wasser verwenden |
| Toilettenspülung | ✅ Ja | problemlos möglich |
| Putzen | ✅ Meist ja | Lebensmittelkontaktflächen besser mit sicherem Wasser |
| Haustiere | ⚠️ Meist ja | bei empfindlichen Tieren besser abgekochtes Wasser |
Das Umweltbundesamt nennt insbesondere Trinken, Lebensmittelzubereitung, Waschen von Obst und Gemüse, Eiswürfel und Zähneputzen als Anwendungen, für die Wasser während eines Abkochgebotes abgekocht werden sollte.
Was bedeutet eine Abkochanordnung überhaupt?
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Eine Abkochanordnung – häufig auch Abkochgebot genannt – wird normalerweise ausgesprochen, wenn Krankheitserreger oder Hinweise auf eine mikrobiologische Verunreinigung im Trinkwasser festgestellt wurden.
Dabei können beispielsweise Bakterien wie Escherichia coli oder Enterokokken eine Rolle spielen. Solche Mikroorganismen können auf eine Verunreinigung des Trinkwassers hinweisen.
Das Wasser muss deshalb vor bestimmten Anwendungen erhitzt werden, damit mögliche Krankheitserreger weitgehend abgetötet werden.
Das Umweltbundesamt empfiehlt dafür:
Wasser einmal sprudelnd aufkochen und anschließend langsam mindestens etwa zehn Minuten abkühlen lassen.
Ein normaler Wasserkocher ist dafür ausreichend.
Du musst das Wasser also nicht minutenlang kochen lassen.
Darf man Leitungswasser noch trinken?
Nein – nicht direkt aus der Leitung.
Zum Trinken sollte während einer Abkochanordnung ausschließlich
- abgekochtes Leitungswasser oder
- abgefülltes Trinkwasser
verwendet werden.
Das gilt selbstverständlich auch für Wasser, das Kindern angeboten wird.
Auch Wasserflaschen oder Karaffen solltest du während dieser Zeit nicht einfach direkt am Wasserhahn auffüllen.
Darf man mit Leitungswasser Zähne putzen?
Hier lautet die Antwort ebenfalls:
Nur mit abgekochtem Wasser.
Beim Zähneputzen gelangen zwangsläufig kleine Mengen Wasser in Mund und Rachen. Deshalb empfehlen Gesundheitsbehörden ausdrücklich, während eines Abkochgebotes abgekochtes oder abgepacktes Wasser zum Zähneputzen zu verwenden.
Praktisch ist es, morgens und abends jeweils eine kleine Flasche mit bereits abgekühltem, abgekochtem Wasser im Badezimmer bereitzuhalten.
Besonders bei Kindern sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht aus Gewohnheit Wasser direkt aus dem Wasserhahn trinken.
Darf man während einer Abkochanordnung duschen?
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In den meisten Fällen: ja.
Bei einem normalen Abkochgebot wegen mikrobiologischer Verunreinigungen kann Leitungswasser normalerweise weiterhin zum
- Duschen,
- Baden,
- Waschen und
- Händewaschen
verwendet werden.
Dabei solltest du jedoch darauf achten, möglichst kein Wasser zu verschlucken.
Vorsicht bei offenen Wunden
Offene Wunden sollten möglichst nicht mit dem belasteten Wasser in Kontakt kommen.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, offene Wunden beispielsweise mit einem wasserundurchlässigen Pflaster abzudecken.
Für die Reinigung einer offenen Wunde solltest du abgekochtes und anschließend abgekühltes oder entsprechend geeignetes Wasser verwenden.
Vorsicht bei kleinen Kindern
Beim Baden kleiner Kinder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Wasser verschluckt wird.
Deshalb kann es sinnvoll sein, während eines Abkochgebotes auf ein Vollbad zu verzichten oder besonders darauf zu achten, dass kein Badewasser in den Mund gelangt.
Für Kleinkinder sowie kranke oder immungeschwächte Personen empfiehlt das Umweltbundesamt je nach Situation besondere Vorsicht bei der Körperpflege.
Darf der Geschirrspüler weiterlaufen?
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In vielen Fällen ja.
Ein aktuelles Gesundheitsamt nennt Geschirr aus der Spülmaschine als unbedenklich, wenn das Gerät mit Temperaturen von über 60 °C spült und trocknet.
Das Umweltbundesamt nennt ebenfalls Geschirrspüler mit mindestens etwa 60 °C beziehungsweise Hitzetrocknung als mögliche Nutzung während eines Abkochgebotes.
Daher gilt:
Wähle während einer Abkochanordnung besser ein ausreichend heißes Spülprogramm.
Ein sehr niedrig temperiertes Kurz- oder Schonprogramm ist in dieser Situation nicht unbedingt die beste Wahl.
Wie sieht es mit Geschirrspülen von Hand aus?
Hier solltest du vorsichtiger sein.
Wird Geschirr lediglich mit lauwarmem Leitungswasser gespült, ist nicht sichergestellt, dass mögliche Krankheitserreger entfernt werden.
Das Gesundheitsamt Würzburg empfiehlt beispielsweise für den Geschirrabwasch von Hand abgekochtes Wasser.
Ist ein Geschirrspüler vorhanden, ist dessen ausreichend heißes Programm daher meist die praktischere Lösung.
Darf man mit dem Wasser kochen?
Grundsätzlich ja – allerdings kommt es darauf an, was du zubereitest.
Wird das Wasser beim Kochen ohnehin ausreichend erhitzt, werden mögliche Keime durch die Hitze reduziert beziehungsweise abgetötet.
Anders sieht es bei Lebensmitteln aus, die anschließend roh gegessen werden.
Für folgende Zwecke solltest du daher ausschließlich abgekochtes oder abgefülltes Wasser verwenden:
- Salat waschen
- Obst waschen
- Gemüse waschen
- kalte Getränke zubereiten
- Smoothies herstellen
- Eiswürfel herstellen
- kalte Speisen zubereiten
Das entspricht auch den Empfehlungen des Umweltbundesamtes und aktueller Gesundheitsämter.
Darf man Nudeln, Kartoffeln oder Reis kochen?
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In der Regel ja.
Wenn Lebensmittel anschließend gründlich gekocht werden, kann dafür das betroffene Leitungswasser verwendet werden.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte oder wenn die örtliche Verfügung strengere Vorgaben enthält, kann das Wasser vorher separat sprudelnd aufkochen.
Bei Speisen, die nur kurz erwärmt werden oder deren Garzeit sehr kurz ist, empfiehlt sich ebenfalls vorher abgekochtes Wasser.
Darf man Kaffee und Tee zubereiten?
Beim Tee ist die Situation relativ einfach:
Wird das Wasser im Wasserkocher sprudelnd aufgekocht, erfüllt dieser Vorgang bereits die wesentliche Voraussetzung des Abkochens.
Bei Kaffeemaschinen hängt es dagegen vom Gerät ab.
Viele Kaffeemaschinen bringen das Wasser nicht vollständig zum Kochen.
Ein aktuelles Gesundheitsamt empfiehlt deshalb nur Geräte uneingeschränkt, die das Wasser auf mindestens etwa 82 °C erhitzen. Ist die Temperatur unbekannt, sollte abgekochtes oder abgefülltes Wasser verwendet werden.
Die unkomplizierteste Lösung lautet daher:
Wasser vorher im Wasserkocher aufkochen, abkühlen lassen und anschließend damit die Kaffeemaschine befüllen.
Was ist mit Eiswürfeln?
Eiswürfel sind während eines Abkochgebotes leicht zu vergessen.
Gefrieren tötet Krankheitserreger jedoch nicht zuverlässig ab.
Deshalb sollten Eiswürfel ausschließlich aus
- abgekochtem und abgekühltem Wasser oder
- abgefülltem Trinkwasser
hergestellt werden.
Automatische Eiswürfelbereiter, die direkt an die Wasserleitung angeschlossen sind, solltest du während der Abkochanordnung möglichst nicht verwenden.
Können Haustiere Leitungswasser trinken?
Hier ist die Situation etwas differenzierter.
Viele gesunde Haustiere verfügen über ein robusteres Immunsystem als Menschen. Ein Gesundheitsamt weist deshalb darauf hin, dass gesunde Tiere bei einem gewöhnlichen Abkochgebot Leitungswasser in der Regel weiterhin trinken können.
Trotzdem würde ich im Haushalt eine einfache Regel anwenden:
Wenn ohnehin Wasser für die Familie abgekocht wird, gib Haustieren ebenfalls dieses Wasser.
Das gilt besonders für
- sehr junge Tiere,
- alte Tiere,
- kranke Tiere oder
- Tiere mit geschwächtem Immunsystem.
Bei exotischen oder besonders empfindlichen Tierarten sollte gegebenenfalls ein Tierarzt oder das zuständige Veterinäramt gefragt werden.
Darf man mit dem Leitungswasser putzen?
Für normale Reinigungsarbeiten kann das Wasser meistens weiterhin verwendet werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Böden wischen
- Badezimmer reinigen
- Toilette reinigen
- Fenster putzen
Anders sieht es bei Oberflächen aus, die unmittelbar mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.
Arbeitsplatten, Schneidebretter oder andere Flächen zur Lebensmittelzubereitung sollten möglichst mit abgekochtem beziehungsweise sicherem Wasser gereinigt werden.
Darf man die Waschmaschine benutzen?
Normalerweise ja.
Das Umweltbundesamt nennt Wäschewaschen in der Waschmaschine bei mindestens 40 °C als mögliche Nutzung während eines Abkochgebotes.
Auch aktuelle Gesundheitsbehörden nennen mindestens 40 °C als Orientierung.
Ein normales 40- oder 60-Grad-Programm kann daher meist weiterhin genutzt werden.
So bereitest du abgekochtes Wasser praktisch vor
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Wenn ein Abkochgebot mehrere Tage dauert, wird das ständige Abkochen schnell lästig.
Deshalb lohnt es sich, größere Mengen vorzubereiten.
1. Wasser einfüllen
Fülle kaltes Leitungswasser in einen Wasserkocher oder Topf.
2. Sprudelnd aufkochen
Bringe das Wasser einmal vollständig zum Kochen.
3. Abkühlen lassen
Lasse es anschließend langsam abkühlen.
Das Umweltbundesamt empfiehlt mindestens etwa zehn Minuten langsames Abkühlen.
4. Sauber umfüllen
Fülle das Wasser anschließend in einen sauberen, verschließbaren Behälter.
5. Kühl lagern
Bereits am Vorabend abgekochtes Wasser kann grundsätzlich auch am nächsten Tag verwendet werden, wenn es sauber, kühl und verschlossen gelagert wird.
Eine einfache Familienlösung
Für einen Haushalt kann es sinnvoll sein, während einer Abkochanordnung zwei deutlich gekennzeichnete Wasserbereiche einzurichten:
Sicheres Trinkwasser
für:
- Trinken
- Zähneputzen
- Kaffee
- Lebensmittel
- Haustiere
und
normales Leitungswasser
für:
- Dusche
- Toilette
- Waschmaschine
- Putzen
Damit sinkt das Risiko, aus Gewohnheit doch schnell ein Glas direkt unter den Wasserhahn zu halten.
Besonders wichtig: Abkochgebot ist nicht gleich Nutzungsverbot
Dieser Unterschied ist entscheidend.
Ein klassisches Abkochgebot richtet sich normalerweise gegen mikrobiologische Verunreinigungen.
Es gibt jedoch auch Situationen, in denen das Wasser beispielsweise chemisch belastet sein kann.
Dann kann Abkochen wirkungslos sein oder die Konzentration bestimmter Stoffe sogar erhöhen.
Das Umweltbundesamt unterscheidet deshalb ausdrücklich zwischen einem Abkochgebot und Warnungen, bei denen Leitungswasser auch nach dem Abkochen nicht zum Trinken oder zur Nahrungszubereitung verwendet werden darf. In besonders schweren Fällen kann sogar Duschen oder Baden untersagt werden.
Deshalb gilt immer:
Die konkrete Mitteilung des Gesundheitsamtes oder Wasserversorgers hat Vorrang vor allgemeinen Empfehlungen.
Wie lange gilt eine Abkochanordnung?
Nicht bis das Wasser wieder normal aussieht oder schmeckt.
Eine Abkochanordnung gilt so lange, bis sie vom zuständigen Gesundheitsamt beziehungsweise Wasserversorger offiziell aufgehoben wird.
Auch wenn das Wasser klar und geruchlos aus dem Wasserhahn kommt, solltest du es bis dahin weiterhin entsprechend der Anordnung behandeln.
Nach einer offiziellen Entwarnung kann zusätzlich empfohlen werden, die Hausleitungen zunächst eine Zeit lang durchzuspülen. Das Umweltbundesamt nennt dafür beispielsweise das Ablaufenlassen, bis das Wasser kalt, klar, farblos und geruchlos aus dem Hahn kommt.
Abkochanordnung – Checkliste für den Haushalt
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Sobald du von einem Abkochgebot erfährst:
- ✅ Mitbewohner und Familie informieren
- ✅ Leitungswasser nicht mehr direkt trinken
- ✅ Wasser zum Zähneputzen abkochen
- ✅ ausreichend Trinkwasser vorbereiten
- ✅ Obst und Gemüse nur mit sicherem Wasser waschen
- ✅ keine Eiswürfel aus unbehandeltem Leitungswasser herstellen
- ✅ Geschirrspüler mit heißem Programm betreiben
- ✅ offene Wunden vor Leitungswasser schützen
- ✅ Haustiere möglichst ebenfalls mit sicherem Wasser versorgen
- ✅ Warnmeldungen von Gesundheitsamt und Wasserversorger verfolgen
- ✅ Abkochgebot erst nach offizieller Entwarnung beenden
Fazit: Trotz Abkochanordnung bleibt Leitungswasser teilweise nutzbar
Eine Abkochanordnung bedeutet nicht automatisch, dass im Haushalt überhaupt kein Leitungswasser mehr verwendet werden darf.
Für Duschen, Toilettenspülung, Wäsche und viele Reinigungsarbeiten kann das Wasser bei einem klassischen mikrobiologischen Abkochgebot normalerweise weiterhin genutzt werden.
Überall dort, wo Wasser jedoch getrunken wird oder mit Mund und ungekochten Lebensmitteln in Kontakt kommt, solltest du abgekochtes oder abgefülltes Wasser verwenden.
Eine einfache Faustregel lautet deshalb:
Alles, was in den Mund kommt: vorher abkochen.
Und noch wichtiger: Lies immer die konkrete Warnmeldung. Denn nur das zuständige Gesundheitsamt kann beurteilen, welche Art der Verunreinigung vorliegt und welche Nutzung tatsächlich noch sicher ist.
