Hochwasser kann die Wasserversorgung eines Haushalts auf ganz unterschiedliche Weise beeinträchtigen. Während aus dem Wasserhahn möglicherweise weiterhin völlig normales Trinkwasser kommt, können private Brunnen bereits verunreinigt sein. Gleichzeitig kann Abwasser aus der Kanalisation zurückgedrückt werden, Keller können volllaufen und vermeintlich verfügbare Wasserquellen rund um das Haus sind plötzlich nicht mehr sicher.
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Gerade in dieser Situation ist es wichtig, Wasser nicht allein nach seinem Aussehen zu beurteilen.
Klares Wasser ist nicht automatisch Trinkwasser. Und selbst Abkochen oder ein guter Wasserfilter können nicht jede mögliche Verunreinigung beseitigen.
In diesem Ratgeber erfährst du:
- was Hochwasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung bedeutet,
- warum private Brunnen nach einer Überschwemmung problematisch sein können,
- warum Keller- und Hochwasser niemals als Trinkwasserquelle eingeplant werden sollten,
- welche Gefahr von Kanalrückstau ausgeht,
- welche Hinweise von Behörden besonders wichtig sind,
- welche Wasserquellen im Notfall vorzuziehen sind,
- und wie du dich bereits vor einem Hochwasser vorbereiten kannst.
Das Wichtigste in Kürze
Bei Hochwasser gilt grundsätzlich:
Solange die zuständigen Behörden oder dein Wasserversorger keine Einschränkung bekannt geben, solltest du nicht automatisch davon ausgehen, dass Leitungswasser verunreinigt ist.
Die öffentliche Trinkwasserversorgung besitzt mehrere Schutz- und Aufbereitungsstufen. Trinkwasser muss in Deutschland so beschaffen sein, dass es keine Krankheitserreger oder gesundheitsschädlichen Konzentrationen problematischer Stoffe enthält.
Anders sieht es bei einem privaten Brunnen aus, der vom Hochwasser erreicht wurde. Hier können Oberflächenwasser, Fäkalien, Kraftstoffe, Heizöl, Pflanzenschutzmittel oder andere Stoffe in den Brunnen beziehungsweise in das umgebende Grundwasser gelangen.
Das Umweltbundesamt weist bei Hausbrunnen ausdrücklich auf das Risiko von Verunreinigungen unter anderem durch Hochwasser hin.
Besonders wichtig:
Hochwasser oder Wasser aus einem überfluteten Keller sollte nicht zur Trinkwassergewinnung verwendet werden.
Selbst eine Kombination aus Filtern und Abkochen macht chemisch belastetes Wasser nicht zwangsläufig sicher.
1. Warum Hochwasser für die Wasserversorgung problematisch werden kann
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Ein Hochwasser besteht nicht einfach aus „zu viel Regenwasser“.
Während einer Überschwemmung können sich ganz unterschiedliche Wasserarten vermischen:
- Regenwasser
- Fluss- und Bachwasser
- Grundwasser
- Abwasser
- Wasser aus überfluteten Kläranlagen oder Kanalisationen
- Wasser von landwirtschaftlichen Flächen
- Wasser aus Kellern und Gebäuden
- ausgelaufene Kraftstoffe und Heizöl
- Chemikalien aus Betrieben, Garagen und Haushalten
Das bedeutet allerdings nicht, dass nach jedem Hochwasser automatisch eine große Infektionsgefahr besteht.
Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass das Risiko größerer Infektionsausbrüche durch Überschwemmungen in Industrieländern häufig überschätzt wird. Trotzdem können über fäkal verunreinigtes Wasser Krankheitserreger übertragen werden und beispielsweise Magen-Darm-Erkrankungen verursachen.
Für die private Wasserversorgung ergibt sich deshalb eine wichtige Regel:
Je näher eine Wasserquelle mit dem eigentlichen Hochwasser in Kontakt gekommen ist, desto kritischer sollte sie beurteilt werden.
2. Ist Leitungswasser bei Hochwasser noch sicher?
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In vielen Hochwasserlagen funktioniert die öffentliche Trinkwasserversorgung weiterhin normal.
Wasserwerke gewinnen ihr Rohwasser beispielsweise aus Grundwasser, Quellen, Talsperren oder anderen geschützten Ressourcen und bereiten es anschließend entsprechend auf.
Zwischen einem überschwemmten Straßenzug und dem Wasser aus deinem Wasserhahn besteht deshalb nicht automatisch ein direkter Zusammenhang.
Auf Mitteilungen des Versorgers achten
Entscheidend sind die Informationen von:
- Wasserversorger
- Gemeinde oder Stadt
- Gesundheitsamt
- Feuerwehr und Katastrophenschutz
- offiziellen Warn-Apps
- lokalen Behörden
Wurde keine Einschränkung ausgesprochen, solltest du nicht aufgrund von Gerüchten oder Bildern aus sozialen Netzwerken eigenständig davon ausgehen, dass das gesamte Trinkwassernetz verunreinigt ist.
Andererseits müssen offizielle Hinweise unbedingt beachtet werden.
Mögliche Anweisungen sind beispielsweise:
Abkochgebot
Das Wasser darf vorübergehend nur nach ausreichendem Erhitzen für bestimmte Zwecke verwendet werden.
Nutzungsverbot
Das Wasser soll für bestimmte oder sämtliche Zwecke nicht genutzt werden.
Versorgung über Trinkwasserstellen
Die Bevölkerung erhält Trinkwasser beispielsweise über Tankwagen, Ausgabestellen oder andere Notversorgungssysteme.
Die genaue Anweisung der Behörde hat dabei immer Vorrang vor allgemeinen Ratschlägen.
3. Was bedeutet ein Abkochgebot?
Ein Abkochgebot wird ausgesprochen, wenn eine mikrobiologische Verunreinigung des Trinkwassers vorliegen könnte oder festgestellt wurde.
Abkochen kann viele Mikroorganismen zuverlässig inaktivieren.
Es hilft jedoch nicht gegen jede Art von Verunreinigung.
Insbesondere gelöste chemische Schadstoffe werden durch einfaches Abkochen nicht zuverlässig entfernt. In manchen Fällen kann das Verdampfen von Wasser deren Konzentration sogar erhöhen.
Deshalb ist ein wichtiger Unterschied:
Abkochgebot ≠ allgemeines Trinkwasserverbot
Wenn die Behörde zum Abkochen auffordert, solltest du dich genau an diese Anweisung halten.
Wird dagegen ausdrücklich davor gewarnt, das Wasser zu verwenden, sollte es auch nicht durch eigenes Filtern oder Abkochen „gerettet“ werden.
Mehr dazu erfährst du in unserem Ratgeber:
Abkochgebot für Leitungswasser – was darf ich noch damit machen?
4. Private Brunnen sind bei Hochwasser besonders gefährdet
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Wer einen eigenen Haus- oder Gartenbrunnen besitzt, sollte nach einem Hochwasser deutlich vorsichtiger sein.
Normalerweise schützt der Boden das Grundwasser teilweise vor Verunreinigungen. Bei einer Überschwemmung kann diese natürliche Schutzwirkung jedoch umgangen werden.
Problematisch wird es insbesondere, wenn Hochwasser:
- über den Brunnenkopf läuft,
- durch beschädigte Abdeckungen eindringt,
- über Kabel- oder Rohrdurchführungen eindringt,
- in einen Brunnenschacht gelangt,
- oder stark verunreinigtes Oberflächenwasser in unmittelbarer Umgebung versickert.
Das Umweltbundesamt nennt Hochwasser ausdrücklich als mögliche Ursache für die Verunreinigung privater Brunnen.
Einen überfluteten Brunnen nicht einfach weiterverwenden
Ist Hochwasser in einen Brunnen eingedrungen, sollte das Wasser zunächst nicht als Trinkwasser verwendet werden.
Das gilt auch dann, wenn:
- das Wasser klar aussieht,
- es normal riecht,
- der Brunnen zuvor jahrelang einwandfrei funktioniert hat,
- oder ein einfacher Schnelltest keine Auffälligkeiten zeigt.
Mikrobiologische Verunreinigungen sind weder sichtbar noch zuverlässig am Geschmack oder Geruch erkennbar.
Auch chemische Schadstoffe lassen sich mit den menschlichen Sinnen häufig nicht feststellen.
Nach einer Überflutung können deshalb Reinigung, Spülung und eine fachgerechte Untersuchung des Brunnenwassers erforderlich sein, bevor es wieder als Trinkwasser verwendet wird.
5. Reicht es, Brunnenwasser einfach abzukochen?
Nicht unbedingt.
Hier muss zwischen zwei völlig unterschiedlichen Problemen unterschieden werden.
Mikrobiologische Belastung
Bakterien, Viren und andere Mikroorganismen können unter geeigneten Bedingungen durch Abkochen beziehungsweise andere Desinfektionsverfahren inaktiviert werden.
Chemische Belastung
Problematischer sind beispielsweise:
- Heizöl
- Benzin und Diesel
- Pflanzenschutzmittel
- Lösungsmittel
- andere Chemikalien
Diese Stoffe werden durch einfaches Abkochen nicht automatisch entfernt.
Genau deshalb ist die Herkunft des Wassers so entscheidend.
Ein Brunnen, in den unbekanntes Hochwasser eingedrungen ist, lässt sich nicht allein dadurch wieder zu einer sicheren Trinkwasserquelle machen, dass man das Wasser durch einen Campingfilter laufen lässt und anschließend abkocht.
6. Warum Hochwasser keine Not-Trinkwasserquelle ist
Auf den ersten Blick klingt es paradox:
Das Haus steht möglicherweise mitten in großen Wassermengen – und gleichzeitig kann sauberes Trinkwasser knapp werden.
Doch Hochwasser sollte grundsätzlich nicht als Trinkwasserquelle betrachtet werden.
Es kann unter anderem enthalten:
- Fäkalien
- Bakterien und andere Krankheitserreger
- Schlamm und Sedimente
- Heizöl
- Kraftstoffe
- Pflanzenschutzmittel
- Reinigungsmittel
- Industriechemikalien
- Schwermetalle
- Tierkadaver und Ausscheidungen
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Hochwasser neben mikrobiologischen Verunreinigungen auch zahlreiche chemische Stoffe enthalten kann.
Genau diese Mischung macht eine sichere Aufbereitung im Haushalt so schwierig.
7. Kann man Wasser aus dem vollgelaufenen Keller verwenden?
Nein – zumindest nicht zur Trinkwassergewinnung.
Wasser im Keller kann aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen:
- Oberflächenwasser
- Grundwasser
- Kanalrückstau
- beschädigten Wasserleitungen
- Regenwasser
In der Realität vermischen sich diese Quellen häufig.
Zusätzlich kommt das Wasser mit dem Gebäude selbst in Kontakt.
Im Keller können beispielsweise stehen:
- Heizöltanks
- Farben
- Lacke
- Pflanzenschutzmittel
- Reinigungsmittel
- Kraftstoffe
- Batterien
- Chemikalien
Selbst scheinbar klares Kellerwasser kann deshalb unbekannte Verunreinigungen enthalten.
Kellerwasser ist kein Brauchwasser-Vorrat
Auch für Tätigkeiten wie Geschirrspülen, Körperpflege oder das Reinigen von Lebensmitteln ist stark verunreinigtes Hochwasser ungeeignet.
Bei Aufräumarbeiten ist zudem direkter Hautkontakt mit verschmutztem Hochwasser möglichst zu reduzieren.
Das RKI weist insbesondere auf mögliche fäkale Verunreinigungen durch überflutete Abwassersysteme hin.
8. Kanalrückstau: Wenn Abwasser ins Haus gedrückt wird
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Eine weitere Gefahr bei Starkregen und Hochwasser ist der sogenannte Rückstau.
Das öffentliche Kanalnetz besitzt nur eine begrenzte Aufnahmekapazität.
Fällt innerhalb kurzer Zeit sehr viel Regen oder steigt der Wasserstand eines Gewässers stark an, kann Wasser im Kanalnetz zurückgedrückt werden.
Das BBK beschreibt, dass Starkregen unter anderem dazu führen kann, dass Wasser aus Kanaldeckeln austritt oder sich als Kanalisationsrückstau in Gebäude zurückdrückt.
Besonders gefährdet sind Entwässerungsstellen unterhalb der Rückstauebene.
Dazu können gehören:
- Bodenabläufe
- Waschmaschinenanschlüsse
- Duschen im Keller
- Waschbecken
- Toiletten
- andere tief gelegene Abwasseranschlüsse
Eine fachgerecht geplante Rückstausicherung kann verhindern, dass Abwasser aus dem Kanal ungehindert in das Gebäude zurückfließt.
9. Welche Wasserquellen sind bei Hochwasser am sichersten?
Wenn die reguläre Wasserversorgung beeinträchtigt wurde, sollte nicht wahllos nach alternativen Wasserquellen gesucht werden.
Eine sinnvolle Reihenfolge ist:
1. Eingelagerter Trinkwasservorrat
Der eigene Vorrat ist in den ersten Stunden oder Tagen normalerweise die beste Lösung.
Geschlossene Wasserflaschen oder korrekt gelagertes Trinkwasser in lebensmittelechten Behältern sind unabhängig von der aktuellen Hochwasserlage verfügbar.
Genau deshalb ist ein Trinkwasservorrat ein zentraler Bestandteil der privaten Krisenvorsorge.
2. Offizielle Trinkwasserausgabe
Wenn Behörden eine Notversorgung einrichten, sollte diese nach Möglichkeit genutzt werden.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Trinkwasser-Tankwagen
- zentrale Ausgabestellen
- abgefülltes Trinkwasser
- Notbrunnen oder andere behördlich freigegebene Quellen
3. Leitungswasser nach behördlicher Freigabe
Besteht lediglich ein Abkochgebot, kann das Leitungswasser entsprechend den offiziellen Vorgaben aufbereitet werden.
4. Andere geschützte Wasserquellen
Alternative natürliche Wasserquellen sollten nur genutzt werden, wenn deren Belastung möglichst gut eingeschätzt werden kann und keine bessere Quelle zur Verfügung steht.
Während einer Hochwasserlage ist besondere Vorsicht erforderlich, weil auch Bäche, Flüsse, Seen und oberflächennahe Grundwasserbereiche belastet sein können.
10. Welche Quellen solltest du möglichst nicht verwenden?
Während und unmittelbar nach einer Überschwemmung gelten einige Wasserquellen als besonders problematisch.
| Wasserquelle | Einschätzung bei Hochwasser |
|---|---|
| Eingelagertes Trinkwasser | ✅ Sehr gut |
| Offizielle Trinkwasserausgabe | ✅ Sehr gut |
| Freigegebenes Leitungswasser | ✅ Sehr gut |
| Leitungswasser bei Abkochgebot | ⚠️ Nur nach Behördenvorgabe |
| Nicht überfluteter, geprüfter Brunnen | ⚠️ Situation prüfen |
| Überfluteter Brunnen | ❌ Nicht ohne Prüfung |
| Bach oder Fluss im Hochwassergebiet | ❌ Möglichst nicht verwenden |
| Hochwasser | ❌ Nicht als Trinkwasserquelle |
| Kellerwasser | ❌ Nicht als Trinkwasserquelle |
| Wasser mit Ölfilm/Chemiegeruch | ❌ Nicht verwenden |
| Wasser in der Nähe von Abwasser | ❌ Nicht verwenden |
Die einfache Faustregel lautet:
Je weniger du über Herkunft und mögliche Belastung eines Wassers weißt, desto schlechter eignet es sich als Not-Trinkwasserquelle.
11. Warum ein Wasserfilter bei Hochwasser nicht automatisch hilft
Wasserfilter sind äußerst nützlich – aber sie besitzen klare Grenzen.
Viele Outdoor- und Notfallfilter entfernen beispielsweise:
- Schwebstoffe
- Sedimente
- bestimmte Mikroorganismen
Je nach Filtertechnik können weitere Stoffe reduziert werden.
Ein klassischer Mikrofilter kann jedoch nicht automatisch sämtliche:
- Viren,
- gelösten Chemikalien,
- Kraftstoffe,
- Pflanzenschutzmittel,
- Schwermetalle
aus belastetem Hochwasser entfernen.
Deshalb lautet eine der wichtigsten Regeln der Wasseraufbereitung:
Die Auswahl einer möglichst sauberen Wasserquelle ist wichtiger als der Versuch, stark belastetes Wasser nachträglich aufzubereiten.
Mehr dazu findest du im Beitrag:
Wasser filtern in Krisenzeiten – Möglichkeiten und Grenzen von Wasserfiltern
12. Die Kombination aus Filtern und Abkochen hat ebenfalls Grenzen
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Bei vielen natürlichen Wasserquellen kann eine Kombination sinnvoll sein:
Wasser entnehmen → Sedimente absetzen lassen → vorfiltern → Wasser filtern → desinfizieren
Dadurch lassen sich unterschiedliche Risiken reduzieren.
Bei unbekanntem Hochwasser gilt diese Regel jedoch nur eingeschränkt.
Denn auch nach Filterung und Desinfektion können problematische chemische Stoffe im Wasser verbleiben.
Wasser mit:
- Ölfilm,
- ungewöhnlichem chemischen Geruch,
- offensichtlichem Abwassereintrag,
- unbekannten Industrieeinträgen
sollte deshalb nicht als Ausgangsbasis für Trinkwasser verwendet werden.
13. Regenwasser während eines Hochwassers sammeln?
Regenwasser kann grundsätzlich eine zusätzliche Notreserve darstellen.
Während einer Hochwasserlage muss allerdings zwischen frisch aufgefangenem Regen und bereits vorhandenem Hochwasser unterschieden werden.
Ein geschütztes Regenwassersystem kann eine zusätzliche Brauchwasserquelle bieten.
Problematisch wird es, wenn:
- der Regenwassertank selbst überflutet wurde,
- Rückstau in das System gelangt,
- verschmutztes Oberflächenwasser in die Zisterne eindringt,
- oder die Anlage beschädigt wurde.
Eine vom Hochwasser überflutete Zisterne sollte deshalb ebenfalls nicht automatisch als saubere Wasserreserve betrachtet werden.
Mehr dazu:
Regenwasser als Notreserve – sammeln, lagern und aufbereiten
14. Was solltest du tun, wenn Hochwasser angekündigt wird?
Wer einige Stunden Vorlauf hat, kann seine Wasserversorgung noch deutlich besser absichern.
Trinkwasservorrat kontrollieren
Prüfe zunächst deinen vorhandenen Vorrat.
Sind genügend Flaschen und Kanister vorhanden, besteht kein Grund, in letzter Minute große Mengen ungeeigneter Behälter zu befüllen.
Saubere Behälter auffüllen
Besteht noch eine uneingeschränkte Trinkwasserversorgung, können vorhandene lebensmittelechte Kanister zusätzlich mit Leitungswasser gefüllt werden.
Behälter höher lagern
Wasserflaschen und Kanister sollten möglichst nicht dort stehen, wo sie vom Hochwasser erreicht werden könnten.
Besonders sinnvoll sind:
- obere Regalböden
- Erdgeschoss oder Obergeschoss
- hoch gelegene Abstellräume
Brunnen sichern
Besitzer privater Brunnen sollten überprüfen, ob Brunnenkopf, Abdeckung und Leitungsdurchführungen möglichst gegen eindringendes Oberflächenwasser geschützt sind.
Zisterne prüfen
Auch Öffnungen von Regenwasseranlagen sollten gegen einströmendes Oberflächenwasser gesichert sein.
Rückstausicherung kontrollieren
Vorhandene Rückstauverschlüsse sollten funktionsfähig und entsprechend den Hersteller- beziehungsweise Fachvorgaben betrieben werden.
15. Nach dem Hochwasser: Nicht sofort zur Normalität zurückkehren
Nur weil das Wasser wieder verschwunden ist, bedeutet das nicht, dass jede Wasserquelle sofort wieder sicher ist.
Gerade bei privaten Brunnen können Verunreinigungen zurückbleiben.
Vor einer erneuten Nutzung als Trinkwasser können je nach Situation erforderlich sein:
- Brunnen kontrollieren
- Schlamm und Fremdstoffe entfernen
- Anlage reinigen
- Brunnen beziehungsweise Leitungen ausreichend spülen
- gegebenenfalls desinfizieren
- Wasser fachgerecht untersuchen lassen
- erst danach wieder als Trinkwasser verwenden
Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt stark von Brunnenart und Ausmaß der Überschwemmung ab.
Bei einem tatsächlich überfluteten Trinkwasserbrunnen ist daher eine fachkundige Beurteilung sinnvoll.
16. Was ist mit Lebensmitteln, die mit Hochwasser in Kontakt gekommen sind?
Auch Lebensmittel sollten getrennt von der eigentlichen Wasserversorgung betrachtet werden.
Sind offene oder nicht sicher geschützte Lebensmittel mit verschmutztem Hochwasser in Kontakt gekommen, sollte sehr vorsichtig vorgegangen werden.
Besonders kritisch sind:
- offene Lebensmittel
- beschädigte Verpackungen
- Kartons
- Papierverpackungen
- Verschlüsse, die nicht wasserdicht sind
Auch hier ist wichtig zu verstehen:
Hochwasser kann sowohl mikrobiologische als auch chemische Verunreinigungen transportieren.
17. Ein Beispiel: Hochwasser erreicht einen Haushalt mit eigenem Brunnen
Nehmen wir einen typischen Haushalt am Ortsrand.
Der Haushalt verfügt über:
- öffentlichen Trinkwasseranschluss,
- Gartenbrunnen,
- Regenwasserzisterne,
- mehrere Trinkwasserkanister.
Nach Starkregen tritt ein nahe gelegener Bach über die Ufer.
Das Grundstück wird teilweise überschwemmt.
Situation 1: Leitungswasser
Der Wasserversorger meldet keine Einschränkungen.
→ Leitungswasser kann weiterhin verwendet werden.
Situation 2: Gartenbrunnen
Das Hochwasser stand über dem Brunnenschacht.
→ Brunnenwasser vorerst nicht verwenden.
Situation 3: Zisterne
Der Deckel der unterirdischen Zisterne wurde überflutet.
→ Wasser nicht automatisch als saubere Reserve betrachten.
Situation 4: Keller
20 Zentimeter Wasser stehen im Keller.
→ Nicht zur Trinkwasseraufbereitung verwenden.
Situation 5: Wasservorrat
Vier Kanister stehen auf einem Regal oberhalb des Hochwassers und wurden nicht überschwemmt.
→ Sehr gute Notreserve.
Dieses Beispiel zeigt, warum ein vorbereiteter Trinkwasservorrat so wertvoll ist.
Während bei improvisierten Wasserquellen erst geklärt werden muss, ob eine Kontamination besteht, steht das eingelagerte Wasser sofort zur Verfügung.
18. Was gehört zur Wasservorsorge in einem Hochwassergebiet?
Wer in einem bekannten Überschwemmungs- oder Starkregengebiet lebt, sollte bei der Wasservorsorge einige zusätzliche Punkte berücksichtigen.
Sinnvoll sind:
- ausreichender Trinkwasservorrat
- mehrere kleinere statt nur eines großen Behälters
- Lagerung oberhalb möglicher Überflutungshöhen
- lebensmittelechte Wasserkanister
- Möglichkeit zum Wasserfiltern
- Möglichkeit zum Abkochen
- alternative Kochmöglichkeit bei Stromausfall
- Kenntnis der örtlichen Warnmöglichkeiten
- Rückstauschutz
- bei eigenem Brunnen: Schutz des Brunnenkopfs vor Oberflächenwasser
Dabei sollte ein Wasserfilter niemals als Ersatz für einen Trinkwasservorrat verstanden werden.
Vorrat und Aufbereitung ergänzen sich.
19. Die wichtigste Entscheidungsregel bei Hochwasser
Bei Wasser im Hochwassergebiet kannst du dir drei Fragen stellen:
1. Woher stammt das Wasser?
Ist die Herkunft eindeutig?
2. Konnte Hochwasser oder Abwasser hineingelangen?
Falls ja, steigt das Risiko erheblich.
3. Könnten chemische Stoffe enthalten sein?
Wenn dies nicht ausgeschlossen werden kann, reicht eine rein mikrobiologische Aufbereitung nicht aus.
Daraus ergibt sich eine einfache Priorität:
Sichere Quelle wählen → Wasserqualität beurteilen → falls erforderlich aufbereiten.
Nicht umgekehrt.
Ein noch so guter Filter macht eine schlechte Wasserquelle nicht automatisch zu einer guten.
20. Hochwasser und Trinkwasser – häufige Fehler
Besonders häufig werden folgende Situationen falsch eingeschätzt:
❌ „Das Wasser sieht klar aus, also ist es sauber.“
Viele problematische Stoffe und Mikroorganismen sind unsichtbar.
❌ „Ich koche es einfach ab.“
Abkochen hilft gegen viele Mikroorganismen, aber nicht zuverlässig gegen chemische Verunreinigungen.
❌ „Mein Wasserfilter schafft das.“
Jeder Filter besitzt technische Grenzen.
❌ „Grundwasser ist immer sauber.“
Auch ein Brunnen kann durch Hochwasser verunreinigt werden.
❌ „Kellerwasser ist wenigstens als Brauchwasser geeignet.“
Bei unbekannter Herkunft und möglichem Kanal- oder Chemikalieneintrag ist auch das keine gute Grundlage für hygienische Anwendungen.
❌ „Nach dem Hochwasser ist der Brunnen automatisch wieder sauber.“
Verunreinigungen können auch nach dem Rückgang des Wassers vorhanden sein.
❌ „Wenn das Leitungswasser gefährlich wäre, würde ich das sehen.“
Eine mögliche Verunreinigung ist nicht zwangsläufig sichtbar. Entscheidend sind Informationen von Wasserversorger und Behörden.
21. Checkliste: Wasserversorgung bei Hochwasser
Wenn Hochwasser droht oder bereits eingetreten ist, kannst du folgende Punkte kontrollieren:
✅ Trinkwasservorrat vorhanden
✅ Trinkwasser oberhalb möglicher Überflutung gelagert
✅ lebensmittelechte Wasserbehälter vorhanden
✅ Warnmeldungen und Behördenhinweise geprüft
✅ Informationen des Wasserversorgers beachtet
✅ überfluteten Brunnen nicht verwendet
✅ überflutete Zisterne nicht ungeprüft genutzt
✅ Keller- und Hochwasser nicht als Trinkwasserquelle verwendet
✅ Wasser mit Ölfilm oder Chemiegeruch konsequent gemieden
✅ Abkochgebot beziehungsweise Nutzungsverbot genau beachtet
✅ alternative Kochmöglichkeit vorhanden
✅ Rückstausicherung kontrolliert
FAQ – Wasserversorgung bei Hochwasser
Kann ich Leitungswasser während eines Hochwassers trinken?
Nicht jedes Hochwasser führt automatisch zu einer Verunreinigung des öffentlichen Trinkwassernetzes. Entscheidend sind die Informationen deines Wasserversorgers und der zuständigen Behörden. Wird ein Abkochgebot oder Nutzungsverbot ausgesprochen, muss dieses beachtet werden.
Kann ich Hochwasser filtern und anschließend trinken?
Davon ist grundsätzlich abzuraten. Hochwasser kann neben Mikroorganismen auch Chemikalien, Heizöl, Kraftstoffe und andere Schadstoffe enthalten. Ein typischer Outdoor-Wasserfilter entfernt nicht sämtliche dieser Stoffe.
Kann ich Wasser aus meinem Brunnen nach einem Hochwasser trinken?
Wenn Hochwasser in den Brunnen oder Brunnenschacht eingedrungen ist, sollte das Wasser zunächst nicht als Trinkwasser genutzt werden. Vor einer erneuten Verwendung können Reinigung, Spülung und eine Wasseruntersuchung notwendig sein.
Reicht Abkochen bei verunreinigtem Brunnenwasser?
Nur bei ausschließlich mikrobiologischen Risiken kann Abkochen helfen. Chemische Verunreinigungen werden dadurch nicht zuverlässig entfernt.
Kann ich Wasser aus dem Keller für die Toilettenspülung verwenden?
Die hygienische Bewertung hängt von der Herkunft ab. Bei möglichem Kanalrückstau oder chemischer Verunreinigung sollte unnötiger Kontakt mit dem Wasser vermieden werden. Für Anwendungen, bei denen Menschen oder Lebensmittel mit dem Wasser in Kontakt kommen, ist Kellerwasser ungeeignet.
Was mache ich bei einem Abkochgebot?
Halte dich genau an die Vorgaben des Gesundheitsamtes beziehungsweise Wasserversorgers. Dort wird normalerweise erklärt, für welche Tätigkeiten Wasser abgekocht werden muss und wann das Gebot wieder aufgehoben wird.
Ist Regenwasser bei Hochwasser sicher?
Ein geschütztes Regenwassersystem kann weiterhin nutzbar sein. Wurde die Zisterne jedoch vom Hochwasser überflutet oder konnte Oberflächenwasser eindringen, muss auch hier von einer möglichen Verunreinigung ausgegangen werden.
Welche Wasserquelle ist im Hochwasserfall am besten?
Ein bereits vorhandener, korrekt gelagerter Trinkwasservorrat ist die einfachste und sicherste Notreserve. Danach folgen offiziell bereitgestelltes Trinkwasser und freigegebenes Leitungswasser.
Fazit: Bei Hochwasser ist die richtige Wasserquelle wichtiger als der beste Filter
Hochwasser bedeutet nicht automatisch, dass das Leitungswasser ausfällt oder ungenießbar wird.
Gleichzeitig entstehen aber neue Risiken.
Private Brunnen können überschwemmt werden, Abwasser kann durch Rückstau in Gebäude gelangen und Keller- oder Oberflächenwasser kann mit Krankheitserregern sowie unterschiedlichsten chemischen Stoffen belastet sein.
Die wichtigste Regel lautet deshalb:
Versuche nicht, möglichst stark verunreinigtes Wasser irgendwie trinkbar zu machen. Suche zuerst nach der sichersten verfügbaren Wasserquelle.
Die beste Reihenfolge ist meist:
eigener Trinkwasservorrat → offizielle Notversorgung → freigegebenes Leitungswasser → erst danach geeignete alternative Quellen
Ein vorbereiteter Wasservorrat, einige geeignete Behälter und grundlegende Möglichkeiten zur Wasseraufbereitung nehmen einer Hochwasserlage deshalb bereits einen großen Teil ihrer Dramatik.
Damit schließt sich gleichzeitig der Kreis der privaten Wasservorsorge:
Wasserbedarf kennen, Trinkwasser bevorraten, richtig lagern, geeignete Wasserquellen auswählen, Wasser filtern und bei Bedarf desinfizieren – und wissen, wann eine Wasserquelle so problematisch ist, dass man sie besser überhaupt nicht verwendet.
